Fastenzeit einmal anders: sieben Wochen ohne einen Zeitfresser
Fasten muss nichts mit Essen zu tun haben. Sieben Wochen ohne Handy am Abend, Streaming oder Online-Shopping – und was du danach behältst.
Das Wichtigste in Kürze
- Verzichte auf etwas, das dir Zeit stiehlt – nicht auf etwas, das du zum Leben brauchst.
- Lege vorher fest, was genau gilt, und zähle die Tage, an denen es geklappt hat.
- Zur Halbzeit und am Ende kurz zurückschauen: Was ist mit der gewonnenen Zeit passiert?
Beim Wort „Fasten“ denken die meisten an Essen. Dabei geht es in der Fastenzeit traditionell um etwas Allgemeineres: eine Weile bewusst auf etwas verzichten und schauen, was sich dadurch verändert. Für viele ist der größte Zeitfresser heute nicht die Schokolade, sondern das Handy am Abend, die nächste Folge oder der Online-Shop. Sieben Wochen ohne einen davon – das kann erstaunlich viel bewegen.
Warum ausgerechnet ein Zeitfresser?
Zeitfresser sind Dinge, die man oft gar nicht bewusst wählt. Man nimmt das Handy „nur kurz“ in die Hand und legt es eine Stunde später wieder weg. Man schaut „noch eine Folge“ und ist um Mitternacht im Bett. Einzeln ist das harmlos. Über Wochen summiert es sich zu Stunden, die einem für Dinge fehlen, die man eigentlich gern tun würde.
Eine Fastenzeit für einen Zeitfresser hat einen großen Vorteil: Du gewinnst etwas Konkretes zurück – Zeit, Ruhe, Schlaf, Aufmerksamkeit. Und du merkst nach ein paar Wochen, ob du den Zeitfresser überhaupt vermisst.
Wichtig: Hier geht es nicht um Verzicht auf Essen, Diäten oder Gewicht. Wer aus gesundheitlichen Gründen fasten möchte, bespricht das bitte mit einer Ärztin oder einem Arzt.
Worauf du verzichten könntest
Wähle eine einzige Sache. Fünf auf einmal machen aus einem Experiment eine Strafe. Einige Ideen:
- Handy am Abend: ab einer festen Uhrzeit liegt es in einem anderen Raum.
- Streaming unter der Woche: Serien und Filme nur am Wochenende.
- Online-Shopping: nur noch kaufen, was wirklich gebraucht wird – nach einer Nacht Bedenkzeit.
- Nachrichten-Apps: einmal am Tag gezielt informieren statt ständig nachzusehen.
- Soziale Medien: Apps vom Handy, nur noch am Computer.
Die beste Wahl ist die Sache, bei der du schon länger denkst: „Das ist eigentlich zu viel.“
Am ersten Tag: genau festlegen, was gilt
Der erste Block der Fastenzeit dauert nur 15 Minuten, ist aber entscheidend: Meinen Verzicht wählen. Schreib auf:
- Was genau? „Weniger Handy“ ist zu vage. „Ab 21 Uhr liegt das Handy in der Küche“ ist klar.
- Was ist erlaubt? Anrufe von der Familie? Der Wecker? Lege Ausnahmen vorher fest, nicht im Moment der Versuchung.
- Was mache ich stattdessen? Ein Buch auf dem Nachttisch, ein Spaziergang, ein Hobby. Eine Lücke ohne Alternative füllt sich schnell wieder.
Gemeinsam fasten
Ein Verzicht fällt leichter, wenn andere mitmachen. In der Familie kann das heißen: Handys liegen ab dem Abendessen alle in einem Korb. In der WG: Unter der Woche läuft kein Fernseher. Auch ohne direkte Mitstreiter hilft es zu wissen, dass gerade viele andere ebenfalls sieben Wochen lang auf etwas verzichten. Man ist dann nicht „der Komische ohne Handy“, sondern Teil von etwas, das viele tun.
Tage zählen statt Serien
Sieben Wochen sind lang. Es wird Tage geben, an denen es nicht klappt – ein Geburtstag, ein schlechter Abend, eine Ausnahme. Das ist kein Scheitern. Wichtig ist, wie du zählst.
Eine Serie, die nach einem Aussetzer auf null fällt, verleitet dazu, ganz aufzugeben. Ehrlicher und freundlicher ist die Frage: An wie vielen Tagen hat es geklappt? „38 von 46 Tagen“ ist ein großartiges Ergebnis. Mehr über diese Zählweise steht im Artikel Gewohnheiten ohne Serien-Stress.
Halbzeit: kurz zurückschauen
Nach etwa drei Wochen lohnt sich ein kurzer Blick zurück (15 Minuten):
- Was ist mit der gewonnenen Zeit passiert?
- Was fehlt dir – und was überraschenderweise nicht?
- Muss die Regel angepasst werden, damit sie zu deinem Alltag passt?
Anpassen ist erlaubt. Wenn „ab 21 Uhr“ nicht funktioniert, weil um diese Zeit die Familie anruft, wird daraus „ab 22 Uhr“. Ein Experiment darf sich verändern.
Am Ende: Was behältst du?
Der letzte Block ist der wertvollste (20 Minuten): Was behalte ich davon? Viele merken, dass sie den Zeitfresser gar nicht in alter Form zurückwollen. Vielleicht bleibt das Handy weiter abends in der Küche, aber nur an Werktagen. Vielleicht wird aus „kein Streaming“ ein „Serien nur noch bewusst“.
Die Fastenzeit ist damit kein Verzicht auf Zeit, sondern ein Test: Was tut mir wirklich gut? Was davon will ich als Gewohnheit behalten? Wie man eine neue Gewohnheit festigt, beschreibt der Artikel Digitaler Feierabend.
Die Gruppe „Fastenzeit“ in DayBlock
In DayBlock gibt es die Fastenzeit jedes Jahr als Gruppe zum Mitmachen. Mit einem Tipp landen die Blöcke in deinem Plan: der erste Tag zum Festlegen, die Halbzeit und der Rückblick am Ende. Dazwischen läuft dein Verzicht als Challenge mit „x von y“ – ohne Serie, die reißt. Das Wochenziel liegt bei fünf von sieben Tagen: Zwei Tage Luft pro Woche sind eingeplant.
Im Kalender siehst du die Gruppe als Balken über die sieben Wochen, und jeden Abend hakst du mit einem Tipp ab: heute verzichtet. Ab fünf Teilnehmenden siehst du, wie viele andere gerade auch fasten – nie, worauf.
Fazit
Fasten muss nichts mit Essen zu tun haben. Sieben Wochen ohne einen Zeitfresser sind ein freundliches Experiment mit echtem Gewinn: Zeit, Ruhe und die Erkenntnis, was du wirklich brauchst. Wähle eine Sache, leg die Regel fest und zähle die guten Tage.
Häufige Fragen
Wann ist die Fastenzeit?
Traditionell die rund sieben Wochen von Aschermittwoch bis Ostern. 2027 beginnt sie am 10. Februar. Du kannst so eine Pause aber jederzeit machen.
Worauf kann ich verzichten?
Auf etwas, das dir Zeit oder Aufmerksamkeit nimmt: das Handy am Abend, Serien unter der Woche, Online-Shopping, Nachrichten-Apps. Wähle eine Sache, nicht fünf.
Was, wenn ich einen Tag nicht durchhalte?
Dann zählt dieser Tag nicht, die anderen schon. Es gibt keine Serie, die auf null fällt – am Ende steht, an wie vielen Tagen es geklappt hat.